KI-Readiness in der Region 

Die rasche Entwicklung und Verfügbarkeit leistungsfähiger KI-Modelle und Werkzeuge bietet kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erhebliche Chancen, stellt sie jedoch zugleich vor klare Herausforderungen, insbesondere im Hinblick auf deren kompetente und gewinnbringende Nutzung.

Allein in Deutschland ist die Anzahl der KMU, welche unterschiedliche Verfahren Künstlicher Intelligenz für sich nutzbar machen, zwischen 2023 und 2024 von 11 % auf 19 % gestiegen (vgl. IfM Bonn, 2025). Allerdings zeigt sich auch, dass der Zuwachs in der KI-Nutzung bei Großunternehmen deutlich stärker ausfällt als bei KMU. Während bei Großunternehmen in Deutschland ungefähr jedes zweite Unternehmen KI nutzt, liegt der Anteil bei den KMU mit rund 19 % noch deutlich darunter (ebd.). Insgesamt setzen laut verschiedenen Erhebungen rund ein Fünftel bis ein Drittel der deutschen Unternehmen KI ein, womit Deutschland über dem EU-Durchschnitt von 13,5 % liegt (Eurostat, 2025; Bundesnetzagentur, 2025a). Viele Unternehmen planen zudem zukünftige KI-Projekte; eine KPMG-Studie ergab, dass 80 % der Entscheidenden in Unternehmen angeben, eine KI-Strategie zu haben oder daran zu arbeiten (Wirtz, 2024).

Für kleine und mittlere Unternehmen eröffnet der Einsatz von KI enorme Chancen: Prozessoptimierungen, neue Geschäftsmodelle und Wettbewerbsvorteile. Gleichzeitig zeigt sich allerdings: Der Weg von einer Idee bis hin zu einer konkreten Umsetzung ist für KMU deutlich anspruchsvoller als für Großunternehmen. Es fehlen häufig die personellen, finanziellen und organisatorischen Ressourcen, um KI gezielt einsetzen zu können. Während Großunternehmen durch Skaleneffekte und spezialisierte Teams Vorreiter sein können, kämpfen KMU oftmals noch mit grundlegenden Digitalisierungsfragen. Ein Ziel der EU bis 2030 ist es, 90 % der KMU mit grundlegender digitaler Intensität zu unterstützen und aufzubauen (Bundesnetzagentur, 2025a).

Ist-Zustand in der Region Bremen-Oldenburg 

Eine repräsentative BNetzA-Telefonbefragung zeigt, dass aktuell 29 % der Unternehmen KI nutzen. Die Nutzung steigt stark mit der Größe der Unternehmen (Kleinst- 28 %, Klein- 29 %, Mittel- 45 %, Groß- 56 %). Dabei planen 27 % der Unternehmen einen Einstieg in die KI-Nutzung (Bundesnetzagentur, 2025b). Für die Region Niedersachsen berichten die IHKs, dass 22 % der Unternehmen bereits KI nutzen und 39 % die Einführung innerhalb der nächsten drei Jahre planen (IHK Niedersachsen, 2024). Die digitale Grundreife stellt dabei einen zentralen Bremsfaktor dar; 38 % der deutschen Unternehmen erreichen nicht einmal eine grundlegende digitale Intensität. Die Region Bremen-Oldenburg baut ihr Ökosystem gezielt aus. Dazu zählen Förderaufrufe, neue Studiengänge und Netzwerke. Seit Juli 2025 gibt es spezielle Landes-Förderlinien für KI-Projekte (Pressestelle des Senats, 2025), und an der Universität Bremen wird ein neuer KI-Master angeboten (senatorische Behörde/Uni Bremen, 2024). Zudem existiert eine wachsende Transferinfrastruktur, die speziell auf KI-Einführung und Readiness abzielt. Beispielsweise arbeitet das Transferzentrum Bremen. AI als regionales KI-Transferzentrum mit Informations-, Vernetzungs- und Qualifizierungsangeboten und organisiert mit lokalen Partner:innen regelmäßige Formate zur Sensibilisierung und Demonstration von Praxislösungen.

Was sind die Herausforderungen der KMU?

Viele KMU sehen in KI ein großes Potenzial – doch der Sprung von der Idee zur Umsetzung bleibt oft aus. Die Gründe sind vielfältig: Mangel an Fachpersonal, fehlende oder unstrukturierte Daten, begrenzte Budgets. Zudem fehlt es häufig an Erfahrungswerten und Best-Practices aus vergleichbaren Unternehmen. Wenn ein KMU KI in das Unternehmen integrieren möchte, kann dieses im Prozess mit möglichen Herausforderungen den Weg kreuzen. Ein in diesem Prozess auftretendes Hindernis findet sich im Ressourcen- und Zeitmanagement des Unternehmens: Viele Betriebe geben an, dass schlichtweg die personellen und zeitlichen Kapazitäten fehlen, um Projekte mit künstlicher Intelligenz überhaupt anzustoßen oder über die Pilotphase (Testphase) hinauszubetreiben (Bundesnetzagentur, 2025b, S. 5-6,11). Eng damit verbunden ist die Frage nach Kompetenzen und einer Akzeptanz von (möglichen) KI-Implikationen in einem Unternehmen. Zwar ergreifen vier von zehn – genauer gesagt 40 % – der KI-Nutzenden bzw. -Planenden Unternehmen Maßnahmen zur Schulung der Mitarbeitenden, doch gleichzeitig schätzen etwa 33 % der bereits anwendenden Unternehmen den Alltagseinsatz als schwierig ein (ebd.). Eine Befragung von insgesamt 1005 befragten Personen hat ergeben, dass davon nur etwa 20 % bislang überhaupt für einen (systematischen) Einsatz von KI durch den Arbeitgebenden geschult worden ist (Bitkom, 2025).Grundlegend sind selbstverständlich auch rechtliche und regulatorische Ungewissheiten, die in diesem Umfeld eine klare Herausforderung darstellen. Die Unsicherheit über die konkreten Anforderungen der europäischen KI-Verordnung („AI Act”) und deren nationale Umsetzung führt bei vielen Unternehmen zu Zurückhaltung. Sowohl weil Haftungsfragen als auch Anforderungen an die Dokumentation, Transparenz und Datenverarbeitung unklar erscheinen, als auch weil Unternehmen den Aufwand und das Risiko einer rechtlich konformen Implementierung nur schwer abschätzen können (Bundesnetzagentur, 2025b, S. 5-6).

Eine ebenso zentrale Herausforderung liegt im Bereich der Daten- und Digitalisierungsbasis – genauer gesagt in einem deutlichen Engpass in diesem Bereich. Viele KMU erreichen noch nicht die „grundlegende digitale Intensität”, die eine wesentliche Voraussetzung für eine produktive KI-Nutzung darstellt (Bundesnetzagentur, 2025a). Zu den hierfür relevanten Daten zählen beispielsweise strukturierte betriebliche Daten, standardisierte Schnittstellen, die Nutzung von Cloud-Infrastrukturen sowie regelmäßig durchgeführte Datenanalysen. Die zugrunde liegende Datenerhebung zeigt, dass ein erheblicher Teil der KMU insbesondere in Bereichen wie der Cloud-Nutzung oder der internen Datenanalyse deutlich zurückliegt (ebd.).Zu guter Letzt stellt die sogenannte Fachkräfte-Pipeline eine strukturelle Hürde dar. Eine Analyse von Stellenanzeigen zeigt, dass der Anteil KI-bezogener Ausschreibungen zwischen 2019 und 2022 zwar angestiegen ist, seit 2022 jedoch bei etwa 1,5 % stagniert (Bertelsmann Stiftung & IW, 2025). Dies weist weniger auf einen geringen Bedarf hin, sondern vielmehr darauf, dass insbesondere KMU aufgrund begrenzter Ressourcen, Unsicherheiten oder fehlender strategischer Grundlagen bislang nur eingeschränkt aktiv KI-Spezialist:innen rekrutieren. Gleichzeitig verfügen viele KMU jedoch nicht über ausreichende interne personelle Ressourcen mit KI-Expertise – sowohl Entwickler:innen als auch Anwender:innenkenntnisse fehlen. Erhebungen zeigen, dass lediglich rund 20 % der Beschäftigten zu KI-Anwendungen geschult sind (Bitkom, 2025).

Wie erfolgreich werden Hürden adressiert?

Um die eben hervorgehobenen Hürden zu adressieren, lassen sich besonders drei Aspekte hervorheben. Erstens berichten viele KI-Nutzende, auch aus dem KMU-Bereich, von einem realisierten Produktivitätsnutzen: In einer Erhebung der Bundesnetzagentur geben 75 % der KI-anwendenden Unternehmen an, dass die Erwartungen erfüllt oder sogar übererfüllt worden sind (Bundesnetzagentur, 2025b, S. 13-24). Zweitens steigen die Investitionen. KMU, die KI nutzen, investieren im zuletzt betrachteten Geschäftsjahr durchschnittlich 2 % des Nettoumsatzes in KI-Anwendungen; insgesamt flossen ca. 9 % in digitale Maßnahmen (ebd.: S. 25). Diese Zahlen deuten auf eine zunehmende Bereitschaft hin, in digitale Transformation zu investieren. An dritter Stelle lässt sich hervorheben, dass die Adoptionsdynamik spürbar zunimmt. Verschiedene Unternehmensumfragen verzeichnen einen kräftigen Zuwachs im KI-Einsatz 2024/25 (beispielsweise 40,9 % im ifo-Panel gegenüber 27 % im Vorjahr; unterschiedliche Grundgesamtheiten erklären Abweichungen gegenüber anderen Erhebungen) (ifo Institut, 2025). Regionale Maßnahmen – etwa die gezielte Förderung von KMU-KI-Projekten in Bremen seit Juli 2025 – stärken das Umfeld zusätzlich und helfen, spezifische KMU-Hürden zu überwinden (Pressestelle des Senats, 2025). Pragmatische Instrumente wie der KI-Readiness-Check des MDZ Bremen-Oldenburg helfen, Hemmschwellen abzubauen.

Fazit

Zusammenfassend zeigen die Daten: Die Verbreitung von KI in deutschen KMU wächst und der Nutzen wird in vielen Fällen realisiert und Investitionen nehmen zu. Gleichwohl bestehen für viele KMU noch grundlegende Hürden. Insbesondere in Bezug auf die digitale Grundlage in Unternehmen, Fachkräfte oder gesetzliche Begebenheiten.  Für die kommenden Jahre lassen sich also besonders drei zentrale Handlungsfelder ableiten:

  • Stärkung der digitalen Infrastruktur – ohne eine solide Datenbasis ist ein produktiver Einsatz von KI nur schwer möglich.
  • Kompetenzaufbau – sowohl durch Aus- als auch Weiterbildung und den Zugang zu gut geschulten Fachkräften. 
  • Rechtliche Rahmung – klare Leitlinien sind zwingend notwendig, um Unsicherheiten zu reduzieren.  

Quellen- und Literaturverzeichnis 

 

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